Eine Generationenfrage

Generationenkonflikte

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Konflikte, die Sie in Ihrer eigenen Jugend austragen mussten? Da ging es oftmals um die Kleidung, das äußere Erscheinungsbild und die Lebensform. Heutzutage sind Jeanshose und lange Haare schon längst salonfähig und unsere Gesellschaft liberaler geworden. Der Aufbruch der Jugend in den 60er und 70er Jahren hat uns gutgetan.

Ich selbst gehöre zu der nachfolgenden Generation, die gegen Atomkraftwerke und Nato-Doppelbeschluss protestierte und sich der weltweiten Friedensbewegung anschloss. Ich bin mit dem Gefühl der Bedrohung im eigenen Land und durch den Ost-West-Konflikt aufgewachsen. Waldsterben und Ozonloch machten die Grenzen des Wachstums und die Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen deutlich. Ich war froh, in der Kirche erwachsene Begleiter zu finden und einen Freiraum zu erfahren, wo wir als Jugendliche uns eigenverantwortlich einbringen konnten.

Jugend heute

Wie geht es den jungen Menschen heute? Welche Fragen tragen sie an uns heran? Wir nehmen Jugendliche oft erst wahr, wenn wir sie als „störend“ empfinden. Sie probieren Grenzen aus, provozieren und wollen Aufmerksamkeit. Gleichwohl suchen sie ihre Nischen und wollen unter Altersgenossen sein. Die Belastungen der Corona-Pandemie wirken bis heute nach, führen zu Einsamkeit und Verlust an Vertrauen in den Staat. Nicht jeder Jugendliche hat mehr eine geordnete Familiensituation, hinzu kommen persönliche Geldsorgen und Suchtmittelprobleme. Die aktuellen Kriege, der Verlust natürlicher Lebensgrundlagen aufgrund der Klimaveränderungen machen Angst vor der Zukunft.

Junge Menschen unter uns

Eine offene kirchliche Jugendarbeit gibt es derzeit nicht in Friedrichsthal, hingegen noch in Quierschied, dort mit Zeltlagern und Freizeitwochen. Eine Vielzahl junger Helfer wirkt mit. Die katholische St. Georgs-Pfadfinderschaft in Friedrichsthal bietet ein Gruppenleben für Kinder an, aber sucht gleichzeitig junge Erwachsene als Gruppenleiter. Die DJK Bildstock bietet über das vielfältige Sportangebot für alle Altersgruppen hinaus ein Rahmenprogramm und fördert Gemeinschaft und Mitverantwortung. Am 5. Juli (Kirmessonntag) werden wir dort einen Feldgottesdienst feiern und zu Gast sein.

Junge Familien sind in unseren Gottesdiensten mehr als üblich präsent, gerade in der Vorbereitung auf die Erstkommunion der Kinder. Wir hoffen, dass der Funke überspringt und die einen oder anderen Kinder gerne als Messdiener weitermachen. Jedes Jahr nach Weihnachten findet die Sternsingeraktion mit vielen Kindern und ihren Betreuern statt – die weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Besondere Kindergottesdienste und Freizeitangebote in Quierschied wollen unsere Jüngsten ansprechen. Ein Familienkreis engagiert sich in Friedrichsthal und die Musikgruppe St. Josef bringt frische Töne in Gottesdienst und Pfarreileben. Familien, die ihre Kinder taufen ließen, wollen wir mehr einbinden. Derzeit bereiten sich Jugendliche aus unseren Gemeinden in Friedrichsthal und Quierschied gemeinsam auf das Sakrament der Firmung vor. Werden sie einen Platz bei uns finden?

Sowohl in Quierschied, Fischbach und in Friedrichsthal, gibt es eine offene, kommunale Jugendarbeit (Jugendzentrum/Juz), betreut von engagierten Sozialarbeitern. Sie bieten Jugendlichen eine Anlaufstelle in der Freizeit an. In Quierschied bringt sich der Ortsbürgermeister persönlich ins Gespräch ein. Die örtlichen Caritasmitarbeiterinnen der Gemeinwesenarbeit in Friedrichsthal beraten und begleiteten junge Menschen und ihre Familien in materieller und sozialer Notlage.

Miteinander ins Gespräch kommen

Alles Bekümmern und Reden über junge Menschen hilft nicht viel, wenn wir nicht untereinander ins Gespräch kommen. Das Titelbild bringt eine solche, offene Gesprächsatmosphäre zwischen Jung und Alt zum Ausdruck: Zuhören, einander gelten lassen, voneinander lernen und miteinander gestalten, können dabei wichtige Schritte sein. Dies braucht Mut und Phantasie von beiden Seiten. Ein biblisches Wort macht dabei Hoffnung und zeigt, welches kreatives Potential und Gestaltungswille der Hl. Geist in die Generationen hineingelegt hat: „Eure Alten werden Träume haben / und eure jungen Männer haben Visionen“ (Joel 3,1).

Zusammengeht was

Die Mitsprache und Mitbeteiligung der jungen Menschen in unserer Gesellschaft und in unseren Gemeinden erweist sich als ein Gebot der Stunde, als Anfrage und Herausforderung, der wir uns stellen sollten. Die kirchliche Caritas greift dies in der Jahreskampagne auf. Ein Weg, damit dies auch in unseren Gemeinden konkret werden kann, wird über eine Vernetzung der verschiedenen Verantwortlichen und Gruppierungen gesucht.

Machen wir das Miteinander zwischen den Generationen zu unserer      Herzensangelegenheit.


                                                                        Ihr Gerd Fehrenbach, Diakon

Bild: Ludwig Riedelberger